Einblicke

Hofgemeinschaft Oldemühle

29482 Göttien-Oldemühle

Bewohner der Hofgemeinschaft Oldemühle

Gemeinschaftliches, tatkräftiges und individuelles Leben in der Oldemühle

In idyllischer Alleinlage, mitten im Grünen, findet sich die „Oldemühle“, wo bis auf ein Hinweisschild an der Einfahrt von der Mühle nichts mehr übrig ist, auf dem Weg von Karmitz nach Küsten. Entstanden ist das Projekt aus einer Idee von Freund*innen und Bekannten, die schon ein Wohnprojekt in Hamburg / Karolinenviertel aufgebaut und saniert hatten. Durch verschiedene Lebensläufe führte der Weg Wendland. Nach einer Zeit der Suche und Projektentwicklung fanden sie den Hof „Oldemühle“.

Das Haupthaus wurde schon Anfang der 1800er Jahre gebaut und beherbergt heute zwei der insgesamt sechs Wohneinheiten. Vier weitere voneinander getrennte Wohnungen wurden mit dem Beginn des Gemeinschaftsprojekts vor ca. sieben Jahren (2011) in ein großes Nebengebäude eingebaut. Gleichzeitig wurden einige Dächer saniert. Im Winter versorgt eine moderne Holzzentralheizung und im Sommer eine Solaranlage alle Mitbewohner*innen mit Wärme.

Neben ganz viel Grün und Weitblick fallen dem Besucher die vielen vor Jahrzehnten künstlich angelegten Fischteiche auf, die durch Gräben miteinander verbunden sind. Das Gelände umfasst gute 3 Hektar, „viel Platz für freie Gestaltung“, sagen die Einwohner*innen. Pferde haben hier zum Beispiel schonmal mitgelebt. Potential birgt noch der ehemalige Schweinestall. Ob es einmal eine Sommerwohnung wird mit Blick über die Felder ist unklar, in jedem Fall taugt das Gemäuer als Werkstatt.

„Zusammenleben bedeutet Bereitschaft zu Kompromissen, Offenheit und Vertrauen.“

Um in der Oldemühle zu wohnen, muss man sich an gemeinschaftlichen Tätigkeiten beteiligen. Dazu zählt die Hofarbeit, zur Zeit 2 Stunden pro Woche. Im Winter muss zudem die Holzheizung mit Brennstoff versorgt werden. Zur Stärkung der Gemeinschaft finden regelmäßige Supervision statt.

In der Projektentwicklung wurde sich für die Rechtsform Verein entschieden. Dieser schafft die formale Basis für Kredite – aber auch Gleichberechtigung. Nicht die Einzelpersonen, sondern der Verein ist Eigentümer des Hofes. Die Bewohner*innen machen finanzielle Einlagen (Startbetrag), der Rest wird längerfristig als „Mietkauf“ abgezahlt. So kauft man kein eigenes Haus, sondern erwirbt einen Anteil an einen großen Projekt. Mit dem Verein wird ein Nutzungsvertrag über klar definierten Raum, also die Wohnung und ein Stück Garten, abgeschlossen.

Nachdem damals gemeinsam in alle Wohnungen „Substanz“ gebracht wurde, tätigt heute jede und jeder die nötigen Investitionen in die eigenen vier Wände selbst. Auch die Gestaltung der eigenen Freiflächen bleibt allen selbst überlassen. Die Oldemühle lebt vom Vertrauen, es gibt zum Beispiel nur einen Strom- und Wasserzähler für alle.

Die Suche nach neuen Menschen gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die Erfahrung habe gezeigt, dass sich einige der Bewerber*innen noch in der Orientierungsphase befanden. Die Oldemühle braucht aber Menschen, die mit in das Projekt einsteigen wollen. Die Suche braucht also Zeit – und so wird lieber ein halbes Jahr überbrückt. „Würden wir die Wohnungen nur vermieten, dann wäre es sicher einfacher“, resümieren die Bewohner*innen.

Die Oldemühle ist aber nicht nur ein Ort zum Wohnen. Hier werden Sonnensegel und Gewänder genäht, andere gehen morgens in ihr „Homeoffice“. Über den Tag macht hier jede*r „seins“, zwischendurch begegnet man sich. „Unsere Idee: Das Private und das Gemeinschaftliche nebeneinander stehen zu lassen.“ Und das funktioniert gut. Für die Zukunft hat man noch Pläne: Ein großer Gemüsegarten zum Beispiel ist ein schon lange geplantes Projekt, bis zur Umsetzung braucht es wohl noch einige Zeit, schmunzeln alle. „Jeder bringt sich mit dem was er kann ein“, heißt die Lösung.

„Heute wissen wir was wir wollen. Das war am Anfang nicht ganz so klar.“

Weil sich die Gesellschaft auf dem Land wie auch in der Stadt gerade in einer Phase des Umbruchs befindet – weg vom immer teurer werdenden Eigenheim, hin zu gemeinsamen Wohnideen, ist es gerade so schwierig, passende Mitbewohner*innen zu finden. Gemeinschaftliches Wohnen „wird sich in 10 oder 20 Jahren durchsetzen“, blickt die Oldemühle optimistisch in die Zukunft. Auch auf dem Land gibt es Alternativen zum Eigenheim. Kosten und Verantwortung können geteilt werden. Nach dem Urlaub „freut man sich aufs Wiederkommen“, weniger allein ist man „im Alter“.

Was sich in den letzten sieben Jahren bewährt hat – und gern als Tip weitergegeben wird: Man kann mit noch so guten Freunden ein Wohnprojekt starten, Verträge machen Sinn. „Verbindlichkeit vermeidet Probleme“, ist man sich einig.

Text und Fotos: Kina und Jan Becker
Personenfoto © Oldemühle

Gemeinschaftliches Leben im Wendland bedeutet für mich:

…jeder Tag ist anders.
…ich komme nach Hause.
…angekommen zu sein.

(Bewohner der Oldeühle)

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